Baukindergeld – Was Sie wissen müssen

Baukindergeld – staatliche Förderung für Familien geplant

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Update 07.05.2018:

Das geplante Baukindergeld für Familien soll lt. mehreren Medienberichten vom 7. Mai 2018 doch rückwirkend zum 1. Januar 2018 gelten. Diese Aussage tätigte der CSU Landesgruppenchef Alexander Dobrindt bei einer Klausurtagung der Fraktionsspitzen von CDU/CSU und SPD. Noch vor der Sommerpause 2018 soll ein entsprechendes Gesetz beschlossen werden.


Der Kauf eines Eigenheimes zählt neben der Gründung einer Familie zu den wichtigsten Entscheidungen im Leben eines Menschen. In der Vergangenheit wurde dies durch die sogenannte Eigenheimzulage gefördert. Darin enthalten gab es zusätzlich ein sogenanntes Baukindergeld, durch welches Familien mit Kindern zusätzlich gefördert wurden. Nachdem diese Form der Förderung abgeschafft worden war, ist bereits seit 2017 eine neue Form der Familienförderung in Form des Baukindergeldes im Gespräch. Diskutiert wurde über einen Zuschuss in Höhe von 8.000 bis 20.000 Euro, je nachdem wie kinderreich eine Familie ist.

Nach den damaligen Plänen sollte das Baukindergeld eine Ergänzung zur KfW-Förderung für Familien mit einem Haushaltseinkommen von bis zu 70.000 Euro jährlich darstellen. Die damalige Familienministerin Barbara Hendricks wollte damit den Kauf oder Bau eines Eigenheims für Familien auch in Ballungsräumen wieder erschwinglich machen. Sowohl die Wiedereinführung der Eigenheimzulage als auch das Baukindergeld waren aber auch Thema bei der Union. CDU und CSU hatten das Baukindergeld sogar in ein Gesamtkonzept eingebunden, damit junge Familien beim Kauf oder Bau eines Hauses unterstützt werden können.

Dass eine neue Bauförderung für Familien kommen wird, war von der damaligen Großen Koalition ohnehin bereits Ende 2016 beschlossen worden, jedoch wurden 2017 keine entsprechenden Schritte unternommen. Nach der jüngsten Bundestagswahl ist jedoch wieder Bewegung in die Thematik gekommen. So haben sich die Unionsparteien und die SPD offenbar darauf geeinigt, Familien mit Kindern über einen Zeitraum von zehn Jahren ein sogenanntes Baukindergeld auszuzahlen.

Folgende Kriterien wurden für das Baukindergeld festgelegt:

– Pro Kind sollen für einen Zeitraum von zehn Jahren alljährlich 1.200 Euro an Baukindergeld ausgezahlt werden.

– Einen Anspruch auf das Baukindergeld haben Familien mit einem jährlichen Einkommen von weniger als 75.000 Euro.

– Des Weiteren ist ein Freibetrag in Höhe von 15.000 Euro je Kind geplant.



Das sind die Vorteile des Baukindergeldes

Die genannten Beträge würden eine nicht unerhebliche Entlastung für Familien, die bauen wollen bedeuten. Ergänzend zu dieser Maßnahme ist auch geplant, dass die Bundesregierung die Kommunen bei der Beschaffung von Bauland unterstützt und die Grundsteuer modernisiert. Die Folge bestünde darin, dass ungenutztes Bauland höher besteuert wird als Bauland, das auch als solches genutzt wird.

Abwarten ist angesagt

Auch wenn sich die künftigen Regierungsparteien geeinigt haben, das Baukindergeld einzuführen, können die Betroffenen (Stand 1. Quartal 2018) noch nicht in Anspruch nehmen, weil es zu diesem Zeitpunkt noch an der gesetzlichen Grundlage fehlte. Bauherren, die zu diesem Zeitpunkt den Bau oder den Kauf eines Eigenheims ins Auge fassten, konnten also nur die bis dahin bestehenden Förderungen in Anspruch nehmen, auch wenn die Einigung darüber bereits im Koalitionsvertrag festgeschrieben war.


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Wie hoch ist das Baukindergeld und wer hat Anspruch darauf?

Wie im Koalitionsvertrag zwischen den Unionsparteien und der SPD festgehalten ist, soll das Baukindergeld als unmittelbare Förderung des Staates im Rahmen der sogenannten „Wohnraumoffensive“ ausgezahlt werden.
Das bedeutet: Familien, die ein Haus oder eine Wohnung kaufen oder Bauen, bekommen zehn Jahre lang pro Kind einen Betrag von jährlich 1.200 Euro, sofern das zu versteuernde Einkommen maximal 75.000 Euro beträgt. Zusätzlich soll es einen Steuerfreibetrag von 15.000 Euro pro Kind und Jahr geben.

In der Praxis bedeutet das, dass eine Familie mit zwei Kindern jährlich bis zu 105.000 Euro verdienen darf, um einen Anspruch auf das Baukindergeld zu haben. In diesem Beispiel liegt das monatliche Nettoeinkommen bei rund 5.200 Euro monatlich. Insgesamt kann diese Beispielfamilie während des gesamten Förderzeitraumes einen Betrag von 24.000 Euro zusätzlich bekommen.Baukindergeld Beispielrechung

Wichtig ist, dass die Förderung nicht auf ein bestimmtes Alter der Kinder begrenzt ist. In der Praxis dürfte das Baukindergeld also wohl an den Kindergeldanspruch gekoppelt werden, welches bis zu einem Alter von maximal 25 Jahren ausgezahlt wird. Der Anspruch auf das Baukindergeld dürfte also vermutlich gemeinsam mit dem Kindergeldanspruch enden. Allerdings wurde dies nicht im Koalitionsvertrag festgehalten.

In diesem Zusammenhang ist aber auch die Kinderzulage interessant, die im Rahmen von Wohn-Riester ausgezahlt wird. Hier gibt es für Kinder, die nach 2008 geboren wurden, bis zu 300 Euro pro Jahr, für ältere Kinder bis zu 185 Euro. Grundsätzlich wird diese Zulage an jenes Elternteil bezahlt, welches Anspruch auf das Kindergeld hat und das Kind erzieht, meist also die Mutter. Soll die Zahlung an das andere Elternteil gehen, müssen die Eltern dafür einen gesonderten Antrag stellen.

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Erleichtert das Baukindergeld den Weg zum Eigenheim?

Vor allem für einkommensschwächere Familien kann das Baukindergeld eine gute Möglichkeit sein, um den Weg zum Wohneigentum zu erleichtern. Allerdings kann das Baukindergeld auch negative Effekte zur Folge haben. Der Grund: Es gibt sehr viele Förderberechtigte, weshalb es auch zu einem regelrechten Sturm auf Baugrundstücke und Bestandsimmobilien kommen kann. Steigt die Nachfrage auf dem Immobilienmarkt noch weiter an, verteuert sich auch das Wohneigentum und die Käufer oder Bauherren müssen mehr Kapital aufnehmen. Durch diese Preissteigerungen könnten die positiven Effekte des Baukindergeldes eines Tages egalisiert sein.

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Eine böse Überraschung können möglicherweise Familien erleben, welche sich die Immobilie nur wegen des Baukindergeldes leisten können, sobald die Förderung ausgelaufen ist. Dann haben sie ein kleineres Budget zur Verfügung und müssen sich unter Umständen auch um eine Anschlussfinanzierung bemühen. Der Grund: Bei vielen Immobiliendarlehen läuft die Zinsfestschreibung nach zehn Jahren aus. Sollte zwischenzeitlich das Zinsniveau gestiegen sein, müssen die Betroffenen für die Refinanzierung mehr Geld investieren als geplant war und sie eigentlich zur Verfügung haben.

Ab wann gibt es das Baukindergeld?

Bislang hat die Regierung lediglich im Koalitionsvertrag vermerkt, dass das Baukindergeld kommen soll. Allerdings muss das Thema erst das Gesetzgebungsverfahren durchlaufen, bevor das Baukindergeld an Familien ausgezahlt werden kann. Das Bedeutet, dass sowohl der Bundestag als auch der Bundesrat zustimmen müssen, bevor der Bundespräsident das Gesetz unterzeichnen kann. Allerdings ist bislang noch nicht klar, wann das Gesetzgebungsverfahren startet.

Wo wird das Baukindergeld beantragt?

Bislang ist noch nicht ganz klar, wo das Baukindergeld beantragt werden muss. Bei der Eigenheimzulage, welche bis 2005 ausgezahlt wurde, war die zuständige Antragstelle das Finanzamt. Weil das Baukindergeld an das zu versteuernde Einkommen gekoppelt ist, erscheint die Antragstellung über das Finanzamt auch in diesem Fall sinnvoll, die Details sind jedoch noch nicht geklärt. Lt. Angaben von Innen- und Bauminister Horst Seehofer soll es evtl. von der staatlichen Förderbank KfW ausgezahlt werden.

Gibt es das Baukindergeld auch rückwirkend, z.B. für bestehende Immobilien?

Grundsätzlich werden Gesetze üblicherweise nicht rückwirkend erlassen. Also müssen Bauherren und Immobilienkäufer davon ausgehen, dass sie das Baukindergeld nicht rückwirkend beantragen geben. Es ist anzunehmen, dass im Zuge des Gesetzgebungsverfahrens ein Stichtag festgelegt wird, ab dem diese Förderung ausgezahlt wird. Wird das Baukindergeld beispielsweise ab dem 1. Januar 2019 ausgezahlt, kommen Familien, die an diesem Tag oder später einen Bauantrag stellen oder einen Kaufvertrag unterschreiben, in den Genuss des Baukindergeldes, während ältere Verträge nicht berücksichtigt werden dürften.

Update 07.05.2018:

Das geplante Baukindergeld für Familien soll lt. mehreren Medienberichten vom 7. Mai 2018 doch rückwirkend zum 1. Januar 2018 gelten. Diese Aussage tätigte der CSU Landesgruppenchef Alexander Dobrindt bei einer Klausurtagung der Fraktionsspitzen von CDU/CSU und SPD. Noch vor der Sommerpause 2018 soll ein entsprechendes Gesetz beschlossen werden.

Das Baukindergeld im Vergleich zur Eigenheimzulage

Die Eigenheimzulage mit Kinderzulage wurde zwischen den Jahren 1996 und 2005 ausbezahlt und zählte zu den größten Subventionen in der Geschichte der Bundesrepublik überhaupt. Immobilienbesitzer, die vor dem 1. Januar 2004 gebaut oder gekauft hatten, konnten pro Jahr fünf Prozent der Herstellungskosten, höchstens aber 2.556 Euro für Neubauten beziehungsweise 1.278 Euro für Altbauten bekommen. Zusätzlich wurden für jedes im Haushalt lebende Kind 767 Euro vom Staat ausgezahlt. In den Genuss dieser Förderung kamen Familien, deren Haushaltseinkommen mit einem Kind bis zu 170.000 Euro betrug. Die Grenze erhöhte sich für jedes weitere Kind um 30.000 Euro. Hatte eine vierköpfige Familie also eine Immobilie im Wert von 200.000 Euro gebaut, erhielt diese acht Jahre lang eine Förderung von 4.090 Euro pro Jahr. Insgesamt wurde der Bau der Immobilie also mit 32.720 Euro gefördert.

Hatte ein Immobilienbesitzer seine Immobilie zwischen dem 1. Januar 2004 und dem 31. Dezember 2005 gekauft oder gebaut, erhielt er lediglich noch eine Förderung von einem Prozent der Herstellungskosten, höchstens jedoch 1.250 Euro sowie je Kind 800 Euro. Eine Familie mit zwei Kindern erhielt über den gesamten Förderzeitraum gesehen also lediglich noch eine Förderung von maximal 22.800 Euro. Auch das Baukindergeld gab es in diesem Zusammenhang bereits, wenn auch in geringerer Höhe. So wurden von 1987 bis Ende 1995 bis zu 512 Euro an Baukindergeld ausgezahlt, sofern die Eigenheimzulage bewilligt war.

Wie sinnvoll ist das Baukindergeld?

Da die Eigentumsquote deutschlandweit im Vergleich zu anderen europäischen Ländern mit 51,7 Prozent äußerst niedrig ist, macht die Förderung von Wohneigentum für Familien in jedem Fall Sinn. Lediglich in der Schweiz ist die Quote niedriger als in Deutschland, während die Eigentumsquote in Spanien bei 77,8 Prozent, in Kroatien bei 90 Prozent und in Rumänien sogar bei 96 Prozent liegt. Die Wohnimmobilie ist vor allem ein wichtiger Baustein für die Altersvorsorge, weil die Rentner und Pensionäre wegen der ausbleibenden Mietausgaben mehr Geld zur Verfügung haben. Fraglich ist allerdings, ob das Baukindergeld tatsächlich zu einer Erhöhung der Eigentumsquote beiträgt, weil die Preise auf dem Immobilienmarkt wegen der größeren Nachfrage steigen könnten. Alternativ könnte auch die Grunderwerbssteuer gesenkt werden, welche immerhin bis zu 6,5 Prozent des Kaufpreises beträgt. In diesem Fall wären nach der Meinung von Experten keine weiteren Subventionen nötig. Auch ein Steuerfreibetrag für Bauherren und Käufer, die Wohneigentum zur eigenen Nutzung schaffen, wäre denkbar.

Lassen Sie sich bei Ihrem Steuerberater vor Ort beraten, ob und wie hoch eine mögliche Förderung aussehen könnte.


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